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Freiheit





Kein Mensch, kein Weg gleicht dem anderen.

Wir steigen zwar alle den gleichen Berg hinauf;
doch der eine vom Norden, der andere vom Süden,
der eine über Abhänge und unter Lawinen,
der andere in der Sonne über blühende Wege,
der eine noch ziemlich unten, der andere schon höher... ;

seinen speziellen, individuellen Weg zu Gott,
auch wenn mancher in manche Sackgasse gerät...

So schildert, bzw. besteht sogar ein jeder
auf die (allein selig machende!?) "Wahrheit" seines Weges;
aber es sind doch immer nur Teilwahrheiten.

Je höher und näher wir dem Gipfel kommen,
desto größer und objektiver wird die Übersicht,
bis wir vor und in IHM - dem ALLES - stehen...
Denn nur alle Wege ergeben das Alles, "die Wahrheit"...

So lasst uns im Westen den im Osten
oder Süden oder Norden oder unter oder über uns..
nicht be- oder verurteilen ..

er ist genauso wie wir auf dem Weg
zu IHM.


VDL






Freiheit dem Christen-Menschen








FREIHEIT UND CHRISTSEIN

Ein Ethischer Individualismus
aus moralischer Intuition




Darf sich der Mensch als wollendes Wesen
die Freiheit zuschreiben,
oder ist diese Freiheit eine bloße Illusion,
die in ihm entsteht, weil er die Fäden
der Notwendigkeit nicht durchschaut,
an denen sein Wollen ebenso hängt
wie ein Naturgeschehen ?


Was uns von allen anderen Wesen unterscheidet, ist
die Freiheit.
Gott wollte die Freiheit des Menschen.
Wir sind Kinder Seiner Liebe
und deshalb mit Freiheit beschenkt.
Dies ERkennen wir, dazu bekennen wir uns
und damit zu Gott.
Wir gliedern uns frei in Seinen Willen - wieder - ein.
Rudolf Steiner, in «Die Philosophie der Freiheit»





Rudolf Steiner, Auszüge aus dem 9. Kapitel «Die Idee der Freiheit» in der

PHILOSOPHIE DER FREIHEIT


(...eine freie Handlung:)
Zur Voraussetzung hat eine solche Handlung die Fähigkeit der moralischen Intuitionen.
(9K/25A)

Der gerade Gegensatz dieses Sittlichkeitsprinzips ist das Kant'sche.
Handle so, dass die Grundsätze deines Handelns für alle Menschen gelten können.
Dieser Satz ist der Tod aller individuellen Antriebe des Handelns.
Nicht wie alle Menschen handeln würden, kann für mich maßgebend sein,
sondern was für mich in dem individuellen Falle zu tun ist. ...
(9K/26A)

Die Menschen sind dem Intuitionsvermögen nach verschieden. Dem einen sprudeln die Ideen zu,
der andere erwirbt sie sich mühselig. Die Situationen, in denen die Menschen leben,
und die den Schauplatz ihres Handelns abgeben, sind nicht weniger verschieden.
Wie ein Mensch handelt, wird also abhängen von der Art,
wie sein Intuitionsvermögen einer bestimmten Situation gegenüber wirkt.
Die Summe der in uns wirksamen Ideen, den realen Inhalt unserer Intuitionen,
macht das aus, was bei aller Allgemeinheit der Ideenwelt in jedem Menschen individuell geartet ist.
Insofern dieser intuitive Inhalt auf das Handeln geht, ist er der Sittlichkeitsgehalt des Individuums. ..

Man kann diesen Standpunkt den ethischen Individualismus nennen. ...
(9K/28A)

Während ich handle, bewegt mich die Sittlichkeitsmaxime, insofern sie intuitiv in mir leben kann;
sie ist verbunden mit der Liebe zu dem Objekt, das ich durch meine Handlung verwirklichen will.
Ich frage keinen Menschen und auch keine Regel: Soll ich diese Handlung ausführen?
- sondern ich führe sie aus, sobald ich die Idee davon gefasst habe.
Nur dadurch ist sie meine Handlung.
Wer nur handelt, weil er bestimmte sittliche Normen anerkennt,
dessen Handlung ist das Ergebnis der in seinem Moralkodex stehenden Prinzipien.
Er ist bloß der Vollstrecker. Er ist ein höherer Automat. ..
Nur wenn ich meiner Liebe zu dem Objekt folge, dann bin ich es selbst, der handelt.
Ich handle auf dieser Stufe der Sittlichkeit nicht, weil ich einen Herrn über mich anerkenne,
nicht die äußere Autorität, nicht eine so genannte innere Stimme.
Ich erkenne kein äußeres Prinzip meines Handelns an, weil ich in mir selbst den Grund des Handelns,
die Liebe zur Handlung gefunden habe.
.. ich vollziehe sie, weil ich sie liebe.

Sie wird "gut", wenn meine in Liebe getauchte Intuition
in der rechten Art in dem intuitiv zu erlebenden Weltzusammenhang drinnensteht;
"böse", wenn das nicht der Fall ist.
Ich frage mich auch nicht: Wie würde ein anderer Mensch in meinem Falle handeln?
- sondern ich handle, wie ich, diese besondere Individualität, zu wollen mich veranlasst sehe.
Nicht das allgemein Übliche, die allgemeine Sitte, eine allgemein-menschliche Maxime,
eine sittliche Norm leitet mich in unmittelbarer Art,
sondern meine Liebe zur Tat.
Ich fühle keinen Zwang, nicht den Zwang der Natur, die mich bei meinen Trieben leitet,
nicht den Zwang der sittlichen Gebote,
sondern ich will einfach ausführen, was in mir liegt. ...
(9K/30A)

Eine Handlung wird als eine freie empfunden,
soweit deren Grund aus dem ideellen Teil meines individuellen Wesens hervorgeht;
jeder andere Teil einer Handlung,
gleichgültig, ob er aus dem Zwange der Natur oder aus der Nötigung einer sittlichen Norm vollzogen wird,
wird als unfrei empfunden.
(9K/33A)

Frei ist nur der Mensch,
insofern er in jedem Augenblicke seines Lebens sich selbst zu folgen in der Lage ist.
Eine sittliche Tat ist nur meine Tat,
wenn sie in dieser Auffassung eine freie genannt werden kann. ...
(9K/34A)

Die Handlung aus Freiheit schließt die sittlichen nicht etwa aus, sondern ein;
sie erweist sich nur als höher stehend gegenüber derjenigen, die nur von diesen Gesetzen diktiert ist.
Warum sollte meine Handlung denn weniger dem Gesamtwohle dienen, wenn ich sie aus Liebe getan habe,
als dann, wenn ich sie nur aus dem Grunde vollbracht habe,
weil dem Gesamtwohle zu dienen ich als Pflicht empfinde? ..

Die Freiheit des Handelns ist nur denkbar vom Standpunkt des ethischen Individualismus aus. ...
(9K/35A)

Leben in der Liebe zum Handeln
und Lebenlassen im Verständnisse
des fremden Wollens
ist die Grundmaxime der freien Menschen. ..
(9K/36A)

Es wird viele geben, die da sagen:
der Begriff des freien Menschen, den du da entwirfst, ist eine Schimäre, ist nirgends verwirklicht. ..
Ich bezweifle das keineswegs. Nur ein Blinder könnte es. ...
Aber mitten aus der Zwangsordnung heraus erheben sich die Menschen,
die freien Geister, die sich selbst finden
in dem Wust von Sitte, Gesetzeszwang, Religionsübung und so weiter. ...

Wer von uns kann sagen, dass er in allen seinen Handlungen wirklich frei ist?
Aber in jedem von uns wohnt eine tiefere Wesenheit, in der sich der freie Mensch ausspricht.
(9K/38A) ...
Was der freie Geist nötig hat,
um seine Ideen zu verwirklichen, um sich durchzusetzen,
ist also die moralische Fantasie.
Sie ist die Quelle für das Handeln des freien Geistes. ...
(12K/3A) ...

Das moralische Handeln setzt also voraus
neben dem moralischen Ideenvermögen und der moralischen Fantasie die Fähigkeit,
die Welt der Wahrnehmungen umzuformen, ohne ihren naturgesetzlichen Zusammenhang zu durchbrechen.

Diese Fähigkeit ist moralische Technik.
Sie ist in dem Sinne lernbar, wie Wissenschaft überhaupt lernbar ist. ...
(12K/4A)



( K= Kapitel / A = Absatz / Kursivsetzung Steiner / fett VDL )
Rudolf Steiner, «Die Philosophie der Freiheit»
GA 4, Rudolf Steiner-Verlag, CH-4143 Dornach, ISBN 3-7274-0040-4


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